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Atelieraufenthalt in Buenos Aires 2027
Zwei Bündner Fotografen, ein Jahrhundert dazwischen
Gaudenz Signorell reist nach Buenos Aires, um das Leben und Werk des Bündner Fotografen Samuel Rimathé zu erforschen. Der Churer Künstler will dabei ein bislang wenig beachtetes fotografisches Erbe neu entdecken und Impulse für seine eigene künstlerische Arbeit gewinnen.
Die Städtekonferenz Kultur (SKK), der auch die Stadt Chur angehört, betreibt in Buenos Aires eine Residenz für Künstlerinnen und Künstler. Das Atelierhaus im historischen Hafenviertel La Boca bietet während sechs Monaten gleichzeitig drei Kulturschaffenden aus verschiedenen Schweizer Städten Raum zum Wohnen und Arbeiten und ermöglicht damit den interdisziplinären Austausch. Die Ateliermiete wird von der SKK und der Stadt Chur finanziert. Zusätzlich steht ein Stipendium von insgesamt 11'000 Franken zur Verfügung, das zur Deckung der Lebenshaltungskosten während des Aufenthalts beiträgt. Vom 1. Juli bis 31. Dezember 2027 wird Gaudenz Signorell das Atelier in Buenos Aires nutzen. Aus zehn eingegangenen Bewerbungen setzte sich der 1950 in Chur geborene Künstler und Fotograf mit seinem Projekt durch.
Im Zentrum seines Aufenthalts steht der Bündner Fotograf Samuel Rimathé, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Argentinien kam und Buenos Aires sowie weitere Regionen des Landes fotografisch dokumentierte. Rimathé hielt eine Gesellschaft im Wandel fest: Seine Aufnahmen zeigen Gebäude und Landschaften ebenso wie Menschen bei der Arbeit, auf der Strasse, in Märkten und im Hafen. Besonders bemerkenswert sind Fotografien von Menschen aus einfachen und marginalisierten Verhältnissen. Trotz der Bedeutung seines fotografischen Werks ist über Rimathés Leben nur wenig bekannt. Auch in der Schweiz ist sein Schaffen heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Signorell möchte deshalb in Buenos Aires den biografischen und historischen Spuren Rimathés nachgehen, Archive und Sammlungen konsultieren und den Entstehungskontext seiner Fotografien untersuchen.
Die Recherche verbindet damit zwei fotografische Positionen über mehr als ein Jahrhundert hinweg: die dokumentarische Arbeit Rimathés und Signorells eigene künstlerische Auseinandersetzung mit Fotografie und Geschichte. Aus dem Aufenthalt sollen neue fotografische Arbeiten entstehen; zudem ist eine Edition geplant.