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Als Chur aufs Velo stieg
Vor 120 Jahren erhielt der Velo Club Chur seine erste Vereinsfahne
Vor 120 Jahren feierte der Velo Club Chur seine Fahnenweihe. Das Velo stand damals für Fortschritt, Freiheit und den Aufbruch in eine neue Zeit.
Als sich 1895 einige begeisterte Churer Velofahrer zum Velo Club Chur zusammenschlossen, ahnte wohl niemand, dass sie damit einen der ältesten Velovereine der Schweiz begründeten. Der erste Schweizer Velo Club war bereits 1869 in Genf entstanden. In Chur entwickelte sich das Velo jedoch rasch vom technischen Novum zum Symbol einer neuen Mobilität.
Mehr als ein Fortbewegungsmittel
Ende des 19. Jahrhunderts war das Velo weit mehr als ein Freizeitgerät. Es stand für individuelle Freiheit, sportlichen Ehrgeiz und die Zugehörigkeit zu einer aufstrebenden städtischen Bewegung. Vereine wie der Velo Club Chur organisierten gemeinsame Ausfahrten, beteiligten sich an Touren-Wettfahrten und pflegten das gesellige Leben rund ums Rad.
Zum ersten Präsidenten des Vereins wurde Georg Zschaler gewählt. Er führte eine Papeterie in der Oberen Gasse und betrieb ab etwa 1896 zusätzlich eine Velohandlung mit Reparaturwerkstätte. Zu den frühen Mitgliedern gehörten weitere bekannte Churer Persönlichkeiten, darunter Andreas Grässli, Besitzer des Hotels «Drei Könige», sowie Paul Kienzle, Kaufmann und Inhaber einer Kolonialwarenhandlung im Welschdörfli.
Eine Fahne für den Verein
Genau vor 120 Jahren feierte der Velo Club Chur seine offizielle Fahnenweihe – ein Ereignis, das die Bedeutung des Vereins für das gesellschaftliche Leben der Stadt unterstrich. Fahnenweihen hatten um die Jahrhundertwende einen hohen Stellenwert. Vereinsfahnen galten als Ausdruck von Zusammenhalt, Identität und Stolz und wurden häufig im Rahmen festlicher Umzüge und Feierlichkeiten eingeweiht. Die im Stadtarchiv erhaltene Erinnerung an die Fahnenweihe von 1906 vermittelt einen eindrücklichen Einblick in die Vereinskultur jener Zeit und zeigt, welche Bedeutung dem Velosport bereits vor mehr als einem Jahrhundert zukam.
Die Tradition lebt weiter
Ein Jahr später, 1907, gründeten begeisterte Churer Velofahrer einen weiteren Verein: den Veloclub Rätia. Aus ihm ging der heutige Rad- und Mountainbikeverein Chur (RMV Chur) hervor, der als grösster Veloclub der Ostschweiz gilt. Der RMV Chur prägt den regionalen Radsport bis heute und engagiert sich in der Nachwuchsförderung ebenso wie im Breiten- und Leistungssport.
Aus seinen Reihen gingen zahlreiche talentierte Rennfahrerinnen und Rennfahrer hervor – ein Beleg dafür, wie tief das Velofahren in Chur verwurzelt ist und wie stark diese Tradition bis in die Gegenwart nachwirkt.