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Sozialhilfequote weiterhin tief
Der Kennzahlenvergleich 2025 zur Sozialhilfe in 14 Schweizer Städten zeigt für die Stadt Chur eine weiterhin tiefe Sozialhilfequote. Sie liegt mit 2,4 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt der Vergleichsstädte mit 3,9 Prozent. Beim Anteil der Sozialhilfefälle mit Asylhintergrund weist Chur hingegen weiterhin den höchsten Wert auf. Der diesjährige Bericht legt den Fokus auf Alleinerziehende, die einem deutlich erhöhten Armuts- und Sozialhilferisiko ausgesetzt sind. Er zeigt auf, wie wichtig gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie, Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung sind.
Im Jahr 2025 bezogen in Chur insgesamt 977 Personen in 690 Unterstützungseinheiten wirtschaftliche Sozialhilfe. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der unterstützten Personen um 7,6 Prozent zu. Die Sozialhilfequote erhöhte sich leicht von 2,3 auf 2,4 Prozent. Chur weist damit nach Zug, Wädenswil und Uster weiterhin eine der tiefsten Sozialhilfequoten der 14 Vergleichsstädte auf. Seit 2020 ist die Sozialhilfequote von 3,1 auf 2,4 Prozent gesunken.
Die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr ist allerdings mit Vorsicht zu interpretieren. Die Sozialhilfestatistik wurde umfassend modernisiert. Für Chur werden die Ergebnisse im Bericht grundsätzlich als plausibel beurteilt. Längerfristige Vergleiche sind derzeit jedoch nur eingeschränkt möglich.
Günstiger Arbeitsmarkt wirkt weiterhin entlastend
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Chur bleiben im Städtevergleich günstig. Mit 1,6 Prozent weist Chur die tiefste Arbeitslosenquote aller 14 Vergleichsstädte auf. Auch die Aussteuerungsquote ist mit 0,32 Prozent niedrig.
Der Bericht zeigt zudem, dass fehlende oder in der Schweiz nicht anerkannte Berufsabschlüsse ein bedeutendes Sozialhilferisiko darstellen. Bei einem beträchtlichen Teil der erwachsenen Sozialhilfebeziehenden in Chur ist keine anerkannte berufliche Ausbildung ausgewiesen. Dies unterstreicht die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung, Sprachförderung und beruflicher Integration.
Chur weist höchsten Anteil mit Asylhintergrund auf
Der Anteil der Sozialhilfebeziehenden mit Asylhintergrund beträgt in Chur 32 Prozent und ist damit der höchste unter den Vergleichsstädten. Ein Grund dafür ist, dass weiterhin ein innerkantonaler Verteilschlüssel fehlt, wie er in vielen anderen Kantonen und auf Bundesebene besteht. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil nur leicht zurückgegangen.
Kinder und Alleinerziehende tragen ein erhöhtes Sozialhilferisiko
Die Sozialhilfequote der Kinder und Jugendlichen in Chur stieg von 4,6 Prozent im Jahr 2024 auf 6,1 Prozent im Jahr 2025. Kinder und Jugendliche weisen damit weiterhin ein deutlich höheres Sozialhilferisiko auf als die Gesamtbevölkerung. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren zeigt sich dagegen eine leichte Entspannung: Ihre Sozialhilfequote sank in Chur von 2,7 auf 2,6 Prozent.
Das Fokusthema des diesjährigen Berichts sind Alleinerziehende. Die Auswertungen zeigen, dass Einelternhaushalte in allen untersuchten Städten deutlich häufiger auf Sozialhilfe angewiesen sind als andere Haushalte. In Chur bezogen gemäss den für das Fokuskapitel verwendeten Daten rund 20,5 Prozent der Einelternhaushalte Sozialhilfe. Ihr Sozialhilferisiko lag damit rund achtmal höher als dasjenige der Privathaushalte insgesamt. Auch Haushalte mit minderjährigen Kindern weisen in Chur ein überdurchschnittliches Sozialhilferisiko auf. Sie sind rund 1,8-mal häufiger auf Sozialhilfe angewiesen als Privathaushalte insgesamt.
Alleinerziehende müssen Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Familienorganisation weitgehend allein bewältigen. Obwohl viele von ihnen erwerbstätig sind, reicht das Einkommen häufig nicht für die Existenzsicherung. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten, insbesondere zu Randzeiten oder bei unregelmässigen Arbeitszeiten, erschweren die berufliche Integration zusätzlich. Auch fehlende Berufsabschlüsse erhöhen das Risiko eines längerfristigen Sozialhilfebezugs. Gemäss Bericht bleiben Alleinerziehende ohne anerkannte Ausbildung im Median deutlich länger auf Sozialhilfe angewiesen als Personen mit einer Berufsausbildung.
Fazit für die Stadt Chur
Die Sozialhilfequote in Chur bleibt trotz des leichten Anstiegs auf tiefem Niveau. Die günstige Arbeitsmarktsituation und die konsequente Förderung der beruflichen und sozialen Integration dürften weiterhin zu dieser Entwicklung beitragen. Im Vergleich der untersuchten Städte weist Chur weiterhin den höchsten Anteil an Sozialhilfebeziehenden mit Asylhintergrund auf. Die gestiegene Sozialhilfequote bei Kindern sowie das erhöhte Armutsrisiko von Einelternfamilien zeigen, dass Familien mit begrenzten finanziellen und zeitlichen Ressourcen vor besonderen sozialpolitischen Herausforderung stehen.
Die Ergebnisse veranschaulichen, dass wirtschaftliche Selbständigkeit und die Vermeidung von Armut nicht erst bei der Sozialhilfe beginnen. Gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bedarfsgerechte Betreuungsangebote sowie Investitionen in frühe Förderung und Bildung stärken die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Familien und verbessern die Chancen von Kindern und Jugendlichen. Chur verfügt in diesen Bereichen bereits über vielfältige Unterstützungs- und Förderangebote. Diese tragen dazu bei, soziale Teilhabe zu ermöglichen und Armutsrisiken möglichst früh zu vermindern.
Der Kennzahlenvergleich 2025 und die Unterlagen zur Medienmitteilung der Städteinitiative Sozialpolitik sind auf der Webseite www.städteinitiative.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. unter «Publikationen» > «Kennzahlen» veröffentlicht.