Inhalt
Historisches Kanalsystem
Sanierung der Oberen Gasse bringt historische Bauwerke ans Licht
Die Sanierungsarbeiten in der Oberen Gasse verlaufen planmässig und fördern gleichzeitig eindrückliche Zeugnisse der Churer Baugeschichte zutage. Im Zuge der Erneuerung der Werkleitungen konnten Teile eines historischen Kanalsystems dokumentiert werden, das bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreicht.
Die Obere Gasse zählt zu den ältesten und bedeutendsten Strassenräumen der Churer Altstadt. Unter der heutigen Pflästerung befindet sich ein über Jahrhunderte gewachsenes Netz aus Leitungen, Kanälen und technischen Infrastrukturen. Zahlreiche dieser Anlagen stammen aus einer Zeit, in der die Anforderungen an Hygiene, Sicherheit und Versorgung grundlegend andere waren als heute.
Wie der Archäologische Dienst Graubünden dokumentiert, war die Altstadt bereits seit dem Mittelalter von offenen Wasserläufen durchzogen. Diese dienten Handwerksbetrieben als Energiequelle, führten Wasser zu Brunnenanlagen und wurden gleichzeitig zur Ableitung von Abwasser genutzt. Auf den historischen Hemmi-Stadtplänen aus dem frühen 19. Jahrhundert ist dieses System noch deutlich erkennbar.
Im Jahr 1824 beschloss die Stadt Chur schliesslich den Bau eines gedeckten Kanalsystems. Die gemauerten Kanäle bestanden aus Seitenwänden mit schweren Steinplatten als Abdeckung und verfügten teilweise über ausgeklügelte Abdichtungen sowie Revisionsschächte zur Wartung. Seit den 1970er-Jahren wurden bei verschiedenen Bauarbeiten immer wieder Teilstücke dieses historischen Systems freigelegt und dokumentiert.
Erneuerung notwendig
Die aktuell laufende Kanalisationssanierung ersetzt die Kanalisation aus dem Jahr 1907, welche seinerzeit die gemauerten Kanäle ablöste. Diese besteht aus Steinzeugrohren, welche ihre technische Lebensdauer längst überschritten haben und sich in einem stark maroden Zustand befanden. Um die Nutzungsdauer zu verlängern, wurden sie bereits im Jahr 1986 mittels eines sogenannten Inlinerverfahrens (Rohr-in-Rohr-Sanierung) instandgesetzt. Trotz dieser damaligen Massnahmen ist nun eine umfassende Erneuerung der Leitung notwendig geworden. Die historischen Funde werden archäologisch dokumentiert.
Die laufenden Arbeiten in der Oberen Gasse sichern im Herzen der Altstadt langfristig eine funktionierende Wasser-, Abwasser- und Werkleitungsinfrastruktur, welche auch das ökologische Fernwärmenetz beinhaltet. In den jeweiligen Sanierungsabschnitten wird das Abwasser zwischen den einzelnen Schächten provisorisch umgepumpt, sodass die Kanalisation auch während der Bauarbeiten jederzeit in Betrieb bleibt.
Neben der Erneuerung der Werkleitungen werden auch die Pflästerung und einzelne Oberflächenbereiche erneuert. Die Stadt ist sich bewusst, dass die Bauarbeiten für Anwohnende, Gewerbebetriebe und Besuchende Einschränkungen mit sich bringen. Ein Besuch der Baustelle bietet jedoch nicht nur für die Gewerbetreibenden einen Mehrwert, sondern ermöglicht je nach Bauphase auch einen seltenen Einblick in die Churer Stadtgeschichte.