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  • Sommer im Vorratskeller

    Wenn im Sommer die Obstbäume rund um Chur ihre Früchte trugen, begann für viele Familien die arbeitsreiche Zeit des Haltbarmachens. In den Gärten wuchsen Gemüse und vorzügliches Obst – Äpfel, Birnen, Pflaumen, Zwetschgen und Kirschen. Da sich nur ein kleiner Teil der Ernte einlagern liess, mussten andere Wege gefunden werden, um die Lebensmittel über die kalte Jahreszeit zu retten.

    Vorräte für den Winter
    Eine der ältesten Methoden war das Dörren. Dafür wurden Früchte in dünne Scheiben geschnitten und auf Horden oder Dörrgestellen ausgelegt – häufig auf Dachböden, wo die warme Luft die Trocknung begünstigte. Auch Bohnen, Kräuter und verschiedene Wurzelgemüse liessen sich auf diese Weise haltbar machen. Wer über einen gut gefüllten Vorrat an Gedörrtem und Eingemachtem verfügte, war für den Winter bestens gerüstet.

    Aus süssen Birnen stellte man zudem Birnenhonig her. Die weichgekochten Früchte wurden durch ein Tuch geseiht und der Saft anschliessend so lange eingekocht, bis eine dickflüssige, honigartige Masse entstand. Serviert zu Mehlspeisen, galt Birnenhonig besonders an Festtagen als geschätzte Delikatesse.

    Vom Birnbrot bis zum Röteli
    Bis heute hat Dörrobst seinen festen Platz in der Churer Küche. Getrocknete Kirschen gehören traditionell in den Röteli, Dörrbirnen ins Churer Birnbrot. Letzteres entstand ursprünglich aus der Not heraus: Mit den Früchten liess sich das kostbare Mehl strecken und gleichzeitig ein nahrhaftes Gebäck herstellen.

    Neue Methoden ziehen ein
    Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich zunehmend das Sterilisieren durch und verdrängte die traditionellen Konservierungsmethoden. Früchte und Gemüse wurden nun in spezielle Gläser – System Schildknecht-Tobler, Bülach oder Weck – abgefüllt, mit Zuckerwasser oder Salzlösung übergossen, verschlossen und im Wasserbad erhitzt.

    Mit der Verbreitung industriell hergestellter Einmachgläser hielt die moderne Vorratshaltung Einzug in die Schweizer Haushalte. Firmen wie Weck prägten über Jahrzehnte das Bild vieler Küchen und machten das Einkochen zu einer weit verbreiteten Alltagspraxis.

    Heute erinnern Fotografien, Inserate und Kochbücher aus dem Stadtarchiv an eine Zeit, in der die Sommermonate nicht nur Erntezeit, sondern vor allem auch die Vorbereitung auf den langen Bündner Winter bedeuteten.

    (Oben) Amtsblatt-Inserate für frisches Obst, Konservengläser und -flaschen sowie eine Dörrbirnen-Schnetzerei aus dem Jahr 1910 (Stadtarchiv Chur). (Unten links) Reiche Obsternte um 1950 (Stadtarchiv Chur, N 136.670). (Unten rechts) Titelseite des Kochbuchs der Firma Bülach mit Einmachrezepten, 1952 (Privatbesitz).
    (Oben) Amtsblatt-Inserate für frisches Obst, Konservengläser und -flaschen sowie eine Dörrbirnen-Schnetzerei aus dem Jahr 1910 (Stadtarchiv Chur).
    (Unten links) Reiche Obsternte um 1950 (Stadtarchiv Chur, N 136.670).
    (Unten rechts) Titelseite des Kochbuchs der Firma Bülach mit Einmachrezepten, 1952 (Privatbesitz).
    Das Buobengut im Töbeli, Masans. Beim Gestell, das aus dem oberen Stock (Estrich) des Wohnhauses herausragt, handelt es sich um eine Dörrvorrichtung für Früchte und Gemüse. Foto: Bernhard Guidon, 1978 (Stadtarchiv Chur, F 01.713).
    Das Buobengut im Töbeli, Masans. Beim Gestell, das aus dem oberen Stock (Estrich) des Wohnhauses herausragt, handelt es sich um eine Dörrvorrichtung für Früchte und Gemüse. Foto: Bernhard Guidon, 1978 (Stadtarchiv Chur, F 01.713).

     

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